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Handbuch Moderne Wundversorgung



Vom Vakuumverband zur VAC-Therapie

Die Entwicklung vom Vakuumverband zur VAC-Therapie aus pflegerischer Sicht


Zielsetzung:
Der Beitrag stellt die Entwicklung der Vakuumversiegelung in der Abdominalchirurgie der Universitätsklinik Erlangen der letzten 15 Jahre  vor. Dabei wird der pflegerische Aspekt hervorgehoben.


Das Entfernen des Verbandes erfolgt
atraumatisch, da der Schwamm mit
dem Granulationsgewebe nicht verklebt.


Quellen:
A: KCI,Vakuumversiegelung bei Problemwunden (1997)
B: Dr. Fleischmann Vakuumversiegelung zur Behandlung des
   traumatischen Weichteilschadens, ( Unfallchirurg 1995)
C: KCI Wundversorgung, Informationsheft (1997)


Die Vakuumversiegelung wurde in Deutschland von Dr. Fleischmann (Ulm) entwickelt. Sie ist seit 1987 soweit standardisiert, daß sie inzwischen zum Alltag vieler Kliniken gehört.
Große Erfolge gab es in der Behandlung von Weichteilverlusten bei offenen Frakturen und der Behandlung von chronischen Wunden. (A)
Verwendet wird ein offenporiger Polyvinylalkohol- oder Polyurethanschaum, in den Drainagen eingebracht sind. Die Ausleitung der Drainagen erfolgt über den Wundrand oder über einer Vakuumplatte.
Durch eine Polyurethanfolie wird das Wundgebiet abgeschlossen. Ein Unterdruck von bis zu 250 mmHG  entsteht im Versiegelungssystem durch eine  Pumpe.

Vorteile des Verfahrens sind ein sicherer Schutz der Wunde, vollständiges  
Absaugen von Wundsekreten und Stimulation einer raschen Bildung von gut durchblutetem Granulationsgewebe. (B)
Indikationen:
 (C)
- Therapieresistente Wunden
- Weichteilschäden, bei denen ein Primärverschluß unmöglich oder unerwünscht ist
- Akute Weichteilinfektionen
- Chronische Wunden  

Anwendung:

Der Schwamm wird der Wunde entsprechend zugeschnitten. Eine lockere Füllung der Wundhöhle mit dem Schwamm ist nötig. Es folgt die Fixierung der Redon-Drainage zwischen zwei Gelkissen. Manchmal ist es hilfreich,  das Gelkissen mit Folie gegen verrutschen zu sichern.
Das Versiegeln wird mittels einer Polyurethanfolie vorgenommen, die das Wundgebiet deutlich überragt. Die ausgeleiteten Drainagen werden in Sandwichtechnik eingebettet (Abb. 1).

Der erste Verbandswechsel erfolgt nach 3, die folgenden alle 5 Tage.
Die gezeigte Wunde wurde nach einem weiteren Verbandswechsel sekundär vernäht (Abb. 2).


Mit diesem Wissen machten wir Anfang der neunziger Jahre unsere ersten Erfahrungen. Die Erfolge in der Wundbehandlung waren vielversprechend. Aber es gab nur einen kleinen Mitarbeiterkreis der mit folgenden Problemen zu tun hatte.

1. Hautreaktionen in der Wundumgebung
2. Unbemerkter Vakuumverlust (Einsatz von Redonflaschen)
3. Das Konzept war nicht immer übertragbar
4. Die Indikationen waren nicht immer klar
5.Technische Problem beim Einsatz von mehreren Schwämmen, Spülen des Wundgebietes über die Vakuumversiegelung und versiegeln von anatomisch schwierigen Stellen (sakrale Höhlen, Ferse, Dekubitalulzera u.s.w.)
6. Akzeptanzprobleme

1. Hautreaktionen in der Wundumgebung

Hautreaktionen entstanden vor allem beim Entfernen der Folie. Die Folie wurde abgezogen wie ein Pflasterverband und die Haut reagierte mit Rötungen. Wir mussten lernen, die Folie atraumatisch durch Überdehnen zu entfernen. Auch der Einsatz von Pflasterlösern  und die Hautpflege mit Hautschutzfime wurde standardisiert.



2. Unbemerkter Vakuumverlust (Einsatz von Redonflaschen)



Der Einsatz von Redonflaschen wurde aus Kostengründen sehr favorisiert. Beim Vakuumverlust geschah dies oft unbemerkt. Folge waren Frustration, ein Rückschritt in der Wundbehandlung und es stellten sich Unsicherheit und Zweifel ein.
Ging der Patient mit dem Verband nach Hause, hatte der Anwender immer ein ungutes Gefühl und war der alleinige Ansprechpartner.

3. Das Konzept war nicht immer übertragbar

Bei Verlegungen von Patienten mit einer Vakuumversiegelung gab es immer wieder Akzeptanzproblem. Der Verband wurde einmal gewechselt und wenn er undicht war, wurde auf ein anderes Konzept umgestellt. Selbst einfache Verbandstechniken, wie das Ausleiten der Drainage über den Wundrand war ein enormes Problem.

4. Die Indikationen waren nicht immer klar

Da die Vakuumversiegelung ein noch junges Thema war und den Grenzen des Konzeptes nicht bekannt , mussten wir auch unschöne Erfahrungen machen. Fragen gab es beim Versiegeln von sakralen Höhlen und dem Versiegeln des offenen Abdomens (Thema Dünndarmfisteln).

5. Technische Problem
beim Einsatz von mehreren Schwämmen, Spülen des Wundgebietes über die Vakuumversiegelung und versiegeln von anatomisch schwierigen Stellen (sakrale Höhlen, Ferse, Dekubitalulzera u.s.w.)

Es fehlten Adapter, Erfahrung und oft Geduld, aber das Versiegeln schwieriger anatomischer Strukturen war machbar und der Anwender wurde sehr erfinderisch. Wenn die Wunden schmutzig waren, wurde  über einen Dreiwegehahn mit einem Antiseptikum gespült.

6. Akzeptanzprobleme

Wie bei allen Neuerungen in der Medizin, gab es im pflegerischen wie auch im ärztlichem Bereich erst einmal Akzeptanzproblem, aber mit der Zeit setzte sich diese System durch.

Gründe dafür sind die vielen Neuentwickungen, die das Arbeiten leichter machen.

1. Der Einsatz von Vakuumplatten, Verbindern und fertiger Stecksystem
2. Der Gebrauch von elektronisch gesteuerten Pumpen
3. Das Angebot von Komplettlösungen
4. Die bestehende Logistik im niedergelassenen Bereich

1.Der Einsatz von Vakuumplatten, Verbindern und fertiger Stecksystem


Die Verbandstechnik ist jetzt viel einfacher! Der PU-Schwamm wird der Wunde entsprechend zugeschnitten. Durch das schichtweise aufbringen von mehreren Folien wird das Wundgebiet versiegelt. Die Folie perforiert und auf die Perforationsstelle wird eine Vakuumplatte geklebt. Dies ist auch komplexere Verbände eine einfache Lösung!




2. Der Gebrauch von elektronisch gesteuerten Pumpen


Vorteile:
- Die Pumpe merkt den Vakuumverlust und gibt Alarm.
- Die Sekretbehälter fassen max.300 ml, bei einer Blutung wird
  dann das System sich füllen und die Blutung steht!
- Die neue Generation von Pumpen ist   leicht, transportabel
  und im häuslichen Bereich einsetzbar.
- Schmerzt die Wunde, kann der Sog bis auf 50 mmHG
  reduziert werden.
- Es entspricht den gesetzlichen Bestimmungen.


3. Das Angebot von Komplettlösungen

Bei den Anfängen der Vakuumtherapie, mussten die Schwämme mit Redonspießen perforiert werden, und dann wurden die Drainagen eingezogen . Das Ausleiten der Drainagen aus dem Versiegelungsgebiet war machbar, aber nicht auf alle Mitarbeiter übertragbar. Dies wird heute durch eine Komplettlösung sehr vereinfacht. Das Arbeiten mit der Vakuumplatte wird nach einmal zeigen beherrscht.

4. Die bestehende Logistik im niedergelassenen Bereich

Wurde früher ein Patient mit einer Vakuumversiegelung entlassen, war der Patient an der entlassenden Einrichtung gebunden. Heute gibt es ein Netz von Mitarbeitern der Vertriebsfirma die sich um Überleitung, Schulung vor Ort und Verhandlungen mit den Kassen kümmern. Die VAC-Therapie ist ein nicht mehr wegzudenkendes Konzept, welches heute einfach, übertragbar und effektiv ist.