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Handbuch Moderne Wundversorgung



Kriterien eines Wundverbandes (nach T. D. Turner)

Der ideale Wundverband sollte:

1.Überschüssiges Wundexsudat aufnehmen.


Der Verband muß halten, was er verspricht! Trockene Kompressen nehmen Wundexsudat einfach auf und waren für Dekubitalulzera dieser Größe immer eine einfache Lösung.
Die Auswahl einer modernen Wundauflage richtet sich hier nach der Sekretion und Größe der Wunde.
Die modernen Verbände stellen aber keinen passiven Verband dar, sondern tun etwas mit der Wunde. So wird  z.B. mit der VAC-Therapie aktiv Wundexsudat durch den Sog gefördert. Nutzt man später Alginate wirken diese durch Ionenaustausch. Schaumverbände nehmen Wundexsudat durch ihre Kapillarstruktur auf und HKV ziehen Wundexsudat durch Zellulose an. Jeder Verband wirkt anders,
aber alle halten die Wunde feucht!!



2. Ein feuchtes Klima im Wundbereich halten

Hier ist ein Umdenken nötig.  Die Verdunstungskälte feuchter Kompressen nutzt man gerne bei infizierten Wunden. Aber nichtinfizierte Wunden (z.B. Meshgraft, Dekubitus, Ulcus usw.) feucht zu verbinden, davon wird gerne Abstand genommen. Die Nachteile der trockenen Wundbehandlung, wie Austrocknen, .
Auskühlen der Wunde und ein Verkleben des Verbandsstoffesmit dem Granulationsgewebe wird durch das feuchte Wundmilieu der modernen Verbände verhindert
Mit z.B. einem hydrokolloiden Verband ahmt man das Wundmilieu einer geschlossen Wundblase nach. Sie imitieren die Natur




3.Gasaustausch gewährleisten

Jeder konventionelle Verband gewährleistet dies.
Beim modernen Wundauflagen sorgt Polyurethan für einen Gasaustausch. Das rechte Bild zeigt einen Schnitt durch einen HKV.



4. Die Wunde thermisch von der Umwelt isolieren

Unter 28°C Wundtemperatur findet keine Zellteilung statt. Die Wundheilung steht. Diesen Effekt macht man sich beim Kühlen von infizierten Wunden zunutze. Das wird gern damit erreicht, daß die infizierte Wunde viermal täglich mit feuchten Kochsalz-Kompressen verbunden wird.
Verdunstungskälte behindert Granulation!
Moderne Wundauflagen halten ein feucht, warmes Milieu über Tage . So bleibt eine ideale Wundtemperatur über lange Zeit erhalten.



5. Undurchlässig für Mikroorganismen sein

Der Schutz einer Wunde vor Keimen wird immer wichtiger. Die Hospitalismuskeime greifen um sich. Bei durchweichten Verbänden kann es zu Kreuzinfektionen kommen.
Moderne Wundauflagen sind keim- und bakterienabweisend. Duschen und Baden ist mit den Verbänden jederzeit möglich.



6.Keine Fasern oder Fremdstoffe abgeben

Es ärgert jeden, wenn Verbandstoffreste im Wundbereich verbleiben und mühsam entfernt werden müssen.

7.Sich atraumatisch entfernen lassen.

Frustrierend ist es, wenn frisch gebildetes Granulationsgewebe mit dem Wundverband verklebt. Es schmerzt den Patienten und wirft seine Wundheilung zurück.
Moderne feuchte Wundauflagen schützen alle Phasen der Wundheilung.
Das  Gel (z.B. eines HKV) liegt als Schutzfilm zwischen dem Wundverband und dem frischen Granulationsgewebe.
Dieser Effekt ist gewünscht.
 
Das Gel besteht aus Zellulose, Wundexsudat und abgestorbenen Gewebspartikeln.